Medizinstudium? – in Deutschland fast unmöglich 👩‍⚕️👨‍⚕️

Mein Traum vom Medizin Studium 💔

Dieser Blogpost ist einer der anderen Art. Es ist für mich ein sehr wichtiger Beitrag, weil ich mit diesem Text meinen geplatzten Traum vom Medizinstudium verarbeiten möchte, was mir unheimlich weh tut. Ich versuche hiermit von etwas, wonach ich mein ganzes Leben gerichtet habe, Abschied zu nehmen.

Eine Freundin hat mich dazu ermutigt, diese doch sehr persönliche Geschichte zu teilen. Wir können nur die Dinge ändern und ins Rollen bringen, indem wir den Mund aufmachen ! Ich danke Euch für Euren Respekt und fürs Lesen.

Seitdem ich denken kann, ist es mein größter Wunsch Medizin zu studieren. Ich war in der Schule immer sehr gut, aber ich hatte auch Fächer, in denen ich mir schwer tat.

Ich wählte die Laufbahn des Gymnasiums, das ich nach der neunten Klasse aufgrund von jahrelangen Mobbing wechselte. So kam ich in eine neue Stadt. Mein Tag fing um 5:30Uhr morgens an und endete um 23:30Uhr.

Ich spielte in der Juniorinnen U-17 Fußball Bundesliga, wofür ich fast jeden Tag 3-4 Stunden mit dem Zug nach der Schule unterwegs war. Die Hausaufgaben machte ich im Zug. In der Qualifikationsphase beendete ich diese „Karriere“, um mich voll und ganz auf die Schule konzentrieren zu können.

Meine Schule war eine christliche Privatschule, was immer als Privileg gesehen wurde, man war besser als andere und aus diesem Grund wurde nicht mit anderen Schulen kooperiert.

So stellte man mich in der elften Klasse vor die Wahl, mich zwischen Mathe-, Physik-, Erdkunde-, Englisch- und Geschichte-Leistungskurs zu entscheiden. Physik, Erdkunde und Geschichte hatte ich damals abgewählt. Chemie-, Sozialwissenschaften-, Französisch- und Musik- Leistungskurs kamen nicht zustande.

So musste ich gezwungenermaßen Mathematik nehmen. Ich war in Mathe immer sehr froh, wenn ich ein gutes Befriedigend im Zeugnis stehen hatte…

Ich ging also fünf Tage die Woche zur Mathematik- Nachhilfe, weil ich um jeden Preis ein gutes Abitur erlangen wollte, um meinen Traum zu verwirklichen.

Egal wie viel ich lernte, ich hatte Pech mit dem Lehrer und schaffte nur eine Vier, weshalb ich nach den Herbstferien die Schule abbrach. Ich begann ein FSJ im Krankenhaus, um die Zeit sinnvoll zu überbrücken und mir „Punkte“ für meinen Medizinstudienplatz zu sichern.

Die Ärzte und Pfleger unterstützen mich sehr und motivierten mich, für meinen Medizinstudienplatz zu kämpfen. Sie sahen in mir eine gute zukünftige Ärztin.

Nachdem FSJ ging ich auf ein Weiterbildungskolleg. Hier konnte ich voller Freude den Deutsch- und Soziologie- Leistungskurs belegen.
Doch leider wurde ich sehr schwer krank. Ich kämpfte um mein Leben und erwarb zwischen Intensivstation und Schule mein Fachabitur.

Die entschuldigten Fehlzeiten wurde in Form einer Notenabminderung auf meinem Zeugnis dargestellt. So rutsche ich von dem 1er-Schnitt auf den 2er-Schnitt, trotz sehr guter Klausuren, ab.

Ich ließ mich trotzdem nicht vom Weg abbringen. Ich hatte einen neuen Plan. Ich wollte einen 1er-Bachelor für eine Hochschulzugangsberechtigung für die medizinische Fakultät erlangen. Damals konnte man sich noch an allen medizinischen Fakultäten gleichzeitig bewerben.

Ich wählte ein duales Studium in der Gesundheitsbranche, da mich die Sportmedizin sehr interessierte und es etwas anderes als eine Krankenpflegeausbildung ist.

Leider stellte sich die Fitnessbranche für mich als eine sehr harte, undankbare Branche heraus.

Ich geriet zwei mal an den falschen Arbeitgeber. Hatte nach meinem ersten Jahr über 350 Überstunden, wurde ausgebeutet und bis auf den letzten Cent ausgenutzt. Ich konnte nur mithilfe eines Anwaltes den Betrieb wechseln…

Mein Studium finanzierte ich mir durch einen mageren Hungerlohn selber. Ich nahm auch kein BaFög in Anspruch, weil ich dieses für das Medizinstudium noch brauchen würde.

Trotz der widrigen Umstände kämpfte ich für meinen Traum. Ich gab nicht auf. Verkürzte die Studienzeit sogar um ein 3/4 Jahr und schrieb meine Bachelor-Thesis in den vorgeschriebenen 3 Monaten neben meiner 35 + Arbeitsstunden pro Woche und inhumanen Arbeitszeiten von 22:00Uhr-3:00Uhr morgens, sowie 3:00Uhr morgens-10:00Uhr (woran ich teilweise auch selber Schuld bin 👉 Teamgeist und Helfersyndrom) . Der Lockdown machte es mir möglich die Thesis rechtzeitig zu beenden.

Auf der Arbeit musste ich dann eine schwere Zeit durchmachen. Im Sommer 2020 kam ich dann mit einem Schädelhirntrauma 2. Grades ins Krankenhaus. Mein Körper konnte einfach nicht mehr 🤷‍♀️.

Ich rappelte mich wieder auf, motivierte mich mein duales Studium vernünftig zu Ende zu bringen. Ich gab nochmal Vollgas, meine letzte Kraft für ein Happy End.

Ich schaffte meinen 1 er Bachelor, erhielt 2019 sogar das Deutschlandstipendium für besonders leistungsstarke Studierende verliehen.

Und jetzt?

Ich wurde durch die Corona-Pandemie von meinem Arbeitgeber nicht übernommen.
Ich habe 3 1/2 Jahre geschuftet, mein Studium selbstfinanziert und kaum etwas verdient.

Das Arbeitslosengeld reicht nicht zum Überleben, weshalb ich es mit ALG2 aufstocken musste…

Das fühlt sich ehrlich gesagt „beschissen“ an. Ich habe mein Geld früher immer selbst verdient. Jetzt bin ich machtlos und muss abwarten.

Auf einen Medizinstudienplatz habe ich keine Chance, da 2019/2020 alles geändert wurde.

Man kann sich nun nur noch bei 6 Hochschulen über Hochschulstart gleichzeitig einschreiben.

Mein selbstfinanziertes duales Studium, das ich für die Hochschulzugangsberechtigung erlangt habe, wird mir zum Verhängnis.

Denn ich muss mich für ein Zweitstudium bewerben, obwohl der Staat die Hochschule nicht bezahlt hat. Es war ein privates Studium.

Hier werden nur 3% genommen und da ich keine  zwingenden beruflichen Gründen angeben kann (dafür müsste ich beispielsweise Kieferchirurgin werden -> Medizin und Zahnmedizinstudium), habe ich keine Chance.

Denn mein FSJ zählt nicht. Auch ein TMS würde nicht berücksichtigt werden…

Von mir wird also erwartet, dass ich, wenn ich eine Chance haben möchte, MENSCHEN HELFEN ZU KÖNNEN, einen Studienkredit über 250.000 Euro aufnehmen muss, um mir das Studium und den Lebensunterhalt selbst zu finanzieren.

Wenn ich dazu nicht bereit bin, sei es mir nicht wichtig genug.

Das macht mich unendlich traurig.

Ich habe mein Leben lang dafür gekämpft und ich verstehe es nicht, warum in Deutschland Menschen, die alles für dieses Studium geben würden, die sich weiterbilden WOLLEN, dies so verwehrt wird.

Deutschland hat einen Pflege- und Ärztemangel.

Deutschland braucht gute Ärzte !

Dieses Studium ist der absolute Horror und dennoch sind so viele Menschen bereit ,dies auf sich zu nehmen.

Warum werden einem hier wieder Steine in den Weg gelegt ?

Wieso muss man reich sein oder sich gefühlt ein ganzes Leben verschulden, um sich ein Studium zu finanzieren, um der Regierung eine Bereicherung zu sein?

Wieso wird von „Bildung für jedermann zugänglich gesprochen“, wenn man nur auf Einschränkungen stößt?

Wieso werden nur Zahlen und keine Menschen gesehen?

Ja ein 1,0 Abi zeigt viel Engagement, aber das Benotungssystem in Deutschland weist schon lange große Lücken auf!

Lehrer geben Schülern, die in ihren Augen es nicht verdient haben, schlechte Noten.

Lehrer geben Schülern mit wohlhabenden Eltern den Vorzug, aus welchen Gründen auch immer.

Ich habe es erlebt und es ist demütigend, immer wieder aufstehen zu müssen und neue Wege zu suchen.

Ich habe meinen Traum jetzt aufgegeben. Ich bin Realist und weiß, wann es keinen Sinn mehr macht, zu kämpfen. Aber ich möchte für die Menschen nach mir kämpfen.

Dass in Zukunft andere Gesetze gelten.

Dass ein Unterschied zwischen einem selbstfinanzierten Erststudium ohne Bafög und einem staatlich finanzierten Erststudium gemacht wird.

Dass nicht mehr geltende Voraussetzungen, wie in meinem Fall die duale Ausbildung, um eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen, einem im Nachhinein zum Verhängnis werden.

Dass wirklich jeder, der es WILL und die Vorraussetzungen erfüllt Medizin studieren darf.

Das wünsche ich mir.

Eure @life_and_fitness_princess 👸🏽

Veröffentlicht von lifeandfitnessprincess

Ich bin Eva und habe mein duales Studium im Bereich Fitnessökonomie erfolgreich abgeschlossen. Ich bin leidenschaftliche Food-und Fitnessbloggerin auf Instagram (@life_and_fitness_princess) und möchte einfach gerne viele Menschen erreichen, bewegen und inspirieren. Durch meine Lebenserfahrung und Kampfgeist habe ich in meinem Leben schon viel durchgemacht und erreicht. Vielleicht kann ich auch Dich motivieren Deinen Weg zu gehen ?

3 Kommentare zu „Medizinstudium? – in Deutschland fast unmöglich 👩‍⚕️👨‍⚕️

  1. Liebe Evi ! Ich verfolge deine Insta Seite schon lange, bin aber erst heute auf deinen Blog und diesen Post gestoßen. Ich musste schlucken, aber ja, ich kenne diese Ungerechtigkeiten. Ich musste wegen Krankheit u Fehlzeiten in der 12. Klasse Gymnasium (damals noch 13 schuljahre) auf die Fachoberschule wechseln, dort in der 11. Starten, weil in der 11. Praktika sind, die Teil dieses Bildungsweges und Pflicht sind. Habe dann mit 2 Jahren Verspätung dort meine fachgebundene Hochschulreife gemacht, die einen dazu berechtigt, an FH s zu studieren. Es wurde aber nie so wirklich von außen als „richtiges“ Abi gesehen. Bei uns in Bayern wurde dann FOS (fachoberschule) 13 eingeführt, was man anschließend machen kann und dann mit einer 2. Fremdsprache, die ich vom Gymnasium jahrelang hatte, die allgemeine Hochschulreife machen kann, was ich dann getan habe. Jedoch kann man anders als am Gymnasium keine LK s wählen, alle Fächer fließen in gleicher Wertung in die Abinote ein, man kann also nicht mit lieblingsfächern oder Neigungen Punkten. Das finde ich schon unfair, weil am Ende bei der Bewerbung lediglich der Schnitt zählt, egal auf welchen Bildungsweg. Am Gymnasium hätte ich Mathe (immer Horror) nur als GK nehmen müssen, jetzt musste ich in Mathe Abiprüfung schreiben…
    Ist vielleicht für manche eine Kleinigkeit, aber wie gesagt, beim nc ist jeder verdammte Punkt wichtig.

    Ich hatte noch Kontakt zu Mitschülern vom Gymnasium, da kamen reihenweise 1,0 er Schnitte bis 1,5 raus, was bei uns an der Schule kein einziger geschafft hat.

    Ich hatte an der FOS eine Mitschülerin, deren Traum auch Medizin war, sie hat neben der Schule gejobbt, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, bis in die Nacht gebüffelt, echt alles getan, aber auch „nur“ 2,0 am Ende geschafft, womit sie die Beste war. Mit Medizin war es damit aus.
    Ein Mitschüler meiner Schwester hatte über den nc auch keine Chance, hat die rettungssanitäter Ausbildung gemacht und sich in Österreich beworben, wo (ein Teil) über einen Mediziner test aufgenommen wird. Er ist damals echt reingekommen, hat dann in Wien Medizin fertig studiert, macht gerade die Facharztausbildung. Eine andere Freundin ist mit Wartesemestern und auch Rettungsdienstausbildung (hat dort bis zum Studium gearbeitet) nach 8 ? Jahren ins Studium gekommen.
    Das waren echt Leute, die dafür gelebt u alles gegeben haben und extreme Hürden hatten. Und das finde ich so schade. Es gibt so viele Ärzte, die vielleicht wissenschaftlich super sind aber halt vom menschlichen echt den falschen Beruf haben. Und da frage ich mich, wie es 2021 noch sein kann, dass nur dieser scheiß Abi Schnitt zählt, der NICHTS über den Menschen aussagt. Notengebung, ja, hab ich an allen Schulen erlebt, ist teilweise echt Willkür und Glück und Auswendiglernen. Ich hatte mal einen Lehrer (Deutsch), der gesagt hat, ne 1 gibt es bei ihm grundsätzlich nicht, dazu müsse man mehr wissen wie er. Ja. Und dann??? Es ist mittlerweile leider bei den meisten Studiengängen so, dass der nc immens ansteigt, Medizin und Psychologie nahezu unerreichbar sind. Ich verstehe es nicht und finde es sehr fragwürdig.

    Mir tut es so unendlich leid, dass du dermaßen gekämpft hast und dir keine Chance gegeben wurde. Ich wünsche dir von Herzen, dass du einen Beruf findest, bei dem dein Herzblut aufgeht, von dessen Gehalt du leben kannst und einen Betrieb, wo man dich nicht ausbeutet. Bitte gib nicht auf

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    1. Liebe Susanne,

      erst einmal möchte ich Dir von Herzen für diesen wunderbaren Kommentar danken. Vielen lieben Dank! Auch dass Du Dir so viel Zeit für mich und meinem Blog genommen hast.

      Mir blutet immer das Herz, wenn ich von ähnlichen Schicksalen lese. Leider stößt man bei der Politik auf Unverständnis.

      Ich hatte mich diesbezüglich an zwei Politiker gewandt. Der erste, der mich wirklich sehr enttäuscht hat, hat meine Nachricht einfach ignoriert.

      Der zweite hat sich eine halbe Stunde Zeit für mich genommen.
      Ich hatte das Gefühl, dass es für ihn ein sehr aufschlussreiches Telefonat war.

      Denn vielen scheint gar nicht bewusst zu sein, das der Ärztemangel ein aktuelles Thema derzeit ist.
      Wir haben definitiv zu wenig Studienplätze, wir werden, aber auch definitiv, wenn sich nichts ändert, unser medizinisches Niveau in den nächsten Jahren nicht mehr halten können. Das Durchschnittsalter der Mediziner liegt derzeit bei 53/54 Jahren.

      In 6 Jahren werden uns, wenn wir die Mediziner aus dem Ausland mit einberechnen, über 6000 Mediziner fehlen.

      Und es gibt genug, die bereit sind Medizin zu studieren!

      Wir sehen es ja jetzt. Hätten wir genug Mediziner, dann könnte man die Wirtschaft jetzt schon entlasten und Geschäfte und Co wieder öffnen. Das hängt alles zusammen.

      Das Thema ist brandaktuell, doch leider aussichtslos.

      Ende des Gesprächs war ein Dank und dass man dies weiterleiten wird.

      Niemand fühlt sich angesprochen, niemand zuständig und keiner nimmt sich dem an und ändert was.

      Die, die etwas ändern wollen, fehlen die Vorraussetzungen…

      Ich hab es jetzt aufgeben und schaue, dass ich einen anderen Weg finde und vielleicht kann ich mir ja eines Tages mein Medizinstudium selber finanzieren ?

      Ich habe den Traum zwar irgendwie losgelassen, aber dennoch werde ich die Chance ergreifen, wenn sich diese ergeben sollte.

      Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute! Bleib gesund ! Ich hoff sehr, dass Du etwas gefunden hast, was Dich erfüllt 🥰.

      Alles liebe😘
      Eva

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